Presse

Pressemeldung: DRK, 24.9.2008 /74/08

GroĂźkatastrophe Stromausfall: Deutsche wiegen sich in Sicherheit

Berlin, 24. September 2008     Die Mehrheit der Deutschen sieht sich in der Lage, sich auch bei einem Stromausfall von zwei Wochen noch selbst zu versorgen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von TNS Emnid im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes. Eine trügerische Annahme, da im Fall einer solchen Großkatastrophe von der Trinkwasserversorgung, über Telefon und Internet bis hin Geldautomat und Tiefkühltruhe nichts mehr funktioniert, so das DRK. Das Szenario eines bundesweiten Stromausfalls ist ein Beispiel aus dem Grünbuch zur Öffentlichen Sicherheit. Es wurde gestern in Berlin von einem überfraktionellen Viererbündnis vorgestellt. Das Rote Kreuz gehört zum Autorenkreis.

In der Umfrage haben von 1.000 Befragten 76 Prozent erklärt, dass sie  sich bei einem zweiwöchigen Stromausfall selbst versorgen könnten. Wobei diese Einschätzung in der Gruppe der 40 – bis 59-Jährigen besonders hoch war.  „Diese Zuversicht und das Vertrauen sind  lobenswert“, so Clemens Graf von Waldburg-Zeil, Rotkreuz-Generalsekretär. „Aber wir gehen davon aus, dass das öffentliche Leben zusammen bricht und chaotische Zustände herrschen. Auch beim Roten Kreuz wird man dann nicht mehr anrufen können“.

Die Szenarien – deutschlandweiter mehrwöchiger Stromausfall oder Ausbruch einer neuartigen Seuche – werden in dem Grünbuch als Beispiele für neue Herausforderungen des Katastrophenschutzes jenseits von Terror und Krieg genannt. Die Autoren wollen die Debatte um politische Lösungen und um eine bundesweite nationale Notfallplanung voranbringen. Das Deutsche Rote Kreuz war als kompetente Organisation  in Sachen Katastrophen-Management gefragt.

„Den flächendeckenden, mehrwöchigen Stromausfall kann man mit bestehenden Notfallsystemen nicht bewältigen“, sagt Graf Waldburg. „Genau wie bei allen anderen Akteuren von Behörden über THW bis Bundeswehr würde ein Stromausfall die Strukturen dieser Organisationen lahm legen“, so der Generalsekretär. “Das müssen wir ändern.“

Internet-Info mit Emnid-Studie: www.drk.de
Link zum GrĂĽnbuch: www.zukunftsforum-oeffentliche-sicherheit.de

 

 

 

 

Pressemitteilung: Zukunftsforum, 23.9.2008

Gerold Reichenbach, MdB

Ralf Göbel, MdB

Hartfrid Wolff, MdB

Silke Stokar v. Neuforn, MdB 

Mitglieder im Innenausschuss des Deutschen Bundestages und

Berichterstatter für Bevölkerungsschutz und Öffentliche Sicherheit im Innenausschuss

Zukunftsforum Ă–ffentliche Sicherheit

Risiko 2.0 fĂĽr Deutschland – ViererbĂĽndnis stellt GrĂĽnbuch zur Ă–ffentlichen Sicherheit vor

Die Debatte um die Ă–ffentliche Sicherheit wird vor allem von der Terrorgefahr bestimmt. Ăśbersehen werden dabei, „weniger offensichtliche, schleichende Risiken und die Verkettung krisenhafter Ereignisse” (Zitat GrĂĽnbuch).

Ein überregionaler Stromausfall, die völlige Unbewohnbarkeit von Wohnanlagen, die explosionsartige Ausbreitung neuer Krankheiten, ein weitgehender Zusammenbruch der ärztlichen Versorgung mit möglicherweise hunderttausenden von Todesopfern sowie Ressourcenkonkurrenz der Bundesländer untereinander mit fatalen Folgen können schon morgen zu chaotischen Zuständen in Deutschland führen – mit möglicherweise schlimmeren Folgen als bei jedem Terroranschlag.

Grund ist die zunehmende und umfassende Abhängigkeit von kritischen Infrastrukturen, wie Strom- oder Wasserversorgung, die Ausbreitung internationaler Mafiastrukturen oder die immer schnellere, weltweite Verbreitung neuer Krankheiten.

Ein ĂĽberfraktionelles BĂĽndnis aus vier Innenpolitikern hat sich endlich diesen Herausforderungen gestellt. Ergebnis ist das GrĂĽnbuch „Risiken und Herausforderungen fĂĽr die Ă–ffentliche Sicherheit in Deutschland – Szenarien und Leitfragen”, das heute der Ă–ffentlichkeit in einer Pressekonferenz im Deutschen Bundestag präsentiert wird.

Die Bundestagsabgeordneten Gerold Reichenbach (SPD), Ralf Göbel (CDU), Hartfrid Wolff (FDP) und Silke Stokar von Neuforn (B.90/Grüne) stellen das Grünbuch vor. Mitglieder des 18-köpfigen Autorenteams stehen vor Ort für Fachfragen zur Verfügung.

In dem Grünbuch beschreiben fünf Expertenteams besonders gefährliche Krisenlagen in Szenarien und Hintergründen.

Zum einen ein Stromausfall ĂĽber Tage: Ein fataler „Blackout” kann viele Auslöser haben: Technische Fehler, ein Unwetter, eine Epidemie, ein Terroranschlag usw. In der Folge werden nicht nur Telefon, Internet, Heizung oder KĂĽhlung ausfallen, sondern auch die Versorgung der Menschen mit Trinkwasser, Lebensmitteln oder Bargeld. Weil niemand mit einem solchen Stromausfall rechnet, sind weder Staat, noch Wirtschaft oder Bevölkerung darauf wirklich vorbereitet.

Zum anderen der Ausbruch eines Tropen-Fiebers und zum dritten eine gefährliche Variante von SARS: Neue Krankheiten verbreiten sich heute viel schneller rund um den Erdball als noch vor wenigen Jahrzehnten. Aufgrund des Klimawandels werden in Zukunft selbst Tropenkrankheiten bei uns Epidemien auslösen können. Mit der gleichzeitigen Erkrankung von bis zu einem Viertel der Bevölkerung in den betroffenen Regionen muss dann gerechnet werden. „Das Gesundheitswesen wäre damit völlig ĂĽberfordert.”

Krisenhafte und Krisen verschärfende Entwicklungen der Organisierten Kriminalität, des internationalen Terrorismus, des Klimawandels usw. werden einbezogen.

Abschließend liefern Leitfragen Anhaltspunkte für die dringend nötige Debatte um politische Lösungen, die sowohl den faktischen Herausforderungen gerecht werden als auch der föderalen Struktur der Bundesrepublik.

Die Expertengruppen kommen aus dem Zukunftsforum Öffentliche Sicherheit, das im März 2007 von den Herausgebern gegründet wurde und im Bundestag regelmäßig zu Konferenzen einlädt.

Anfang Oktober wird das Grünbuch in englischer Sprache erscheinen, um auch auf europäischer Ebene eine Debatte anzustoßen.