Kolumne des Vorstandsvorsitzenden

Mittwoch 28. April 2010 von Hermann.Thomann

von Prof. Dr. Hermann J. Thomann

Vorstandsvorsitzender des Zukunftsforums Öffentliche Sicherheit e.V.

Über 70 Entscheider aus den verschiedensten Bereichen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten im IX. Zukunftsforum Öffentliche Sicherheit über Strategien, Anforderungen und Konzepte für die Bundesrepublik Deutschland im Hinblick auf das Thema Krisenkommunikation. Die dynamischen Zusammenhänge eines Ereignisses und die dadurch ausgelöste interne und externe Kommunikation bei den Behörden, der Berichterstattung sowie den Auswirkungen auf die Vorstellungen und Verhaltensweisen der Akteure und Betroffenen bildeten zentrale Inhalte dieses Treffens.

Der einleitende Vortrag von Frau Prof. Dr. Juliana Raupp, Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin, mit dem Thema „Krisenkommunikation und Kommunikation von krisenhaften Ereignissen – Anforderungen aus wissenschaftlicher Sicht“ gab einen sehr guten Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft. In diesem Zusammenhang gilt es auf einen neuen, konstruktiveren Umgang mit Unsicherheit und die Gestaltung einer Risikokultur einzugehen, in der beispielsweise auch über Fehlerwartungen als Kehrseite von Sicherheit gesprochen werden muss. Allerdings impliziert dies eine konsequente Evaluation, auch simulierter Vorgänge wie etwa der LÜKEX-Übung.

Über die LÜKEX-Übung referierte Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in seinem Vortrag, „LÜKEX Pandemie 2007 und LÜKEX Terroranschlag 2009/2010 – Anforderungen und Konzepte aus der Praxis.“ Er verglich die erst vor wenigen Wochen durchgeführte LÜKEX-Übung mit der vorangegangenen Übung 2007 unter dem Aspekt der Herausforderungen für die Krisenkommunikation. An diesem Beispiel diskutierten die Teilnehmer neue Erkenntnisse über die Rahmenbedingungen der Krisenkommunikation. Insbesondere der Kommunikation innerhalb der jeweiligen Organisation komme dabei eine besondere Bedeutung zu und nicht nur der Kommunikation nach außen.

In diesem Zusammenhang erörterte Ministerialdirektor Dr. Manfred Schmidt, Leiter der Abteilung Krisenmanagement im Bundesministerium des Innern, in seinem Vortrag „Bundeskonzept Krisenkommunikation erste Reflexionen zur kommunikativen Bewältigung der H1N1-Grippesaison“ weitere künftige Herausforderungen. Die Diskussion ergab, dass die Mitarbeiter und die jeweiligen Führungsstrukturen entscheidend seien, die mit der Krisenbewältigung betraut sind. Ihre Erfahrung und Ausbildung bestimme maßgeblich über den Prozess der Krisenkommunikation.

Klaus Zuch, Abteilungsleiter der Senatsverwaltung für Inneres und Sport trug abschließend zum Thema „Krisenkommunikation in der Länderpraxis“ vor. Die anschließende Diskussion im Plenum hatte insbesondere zum Gegenstand, dass die Bürger und die steuernden Akteure rasche, ebenengerechte und als glaubwürdig eingestufte Informationen zur Krisenbewältigung benötigen. Klare Botschaften von und zu den verantwortlich Handelnden auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene müssen über etablierte Strukturen vertikal und horizontal kommuniziert werden. Glaubwürdigkeit und Vertrauen sollten schon im Vorfeld durch eine entsprechende Risikokommunikation aufgebaut worden sein, damit Informationen im Ernstfall auch akzeptiert werden.

Im Ergebnis hat dieses Treffen wieder einmal aufgezeigt wie wichtig und notwendig der inter- und transdisziplinäre Austausch zwischen Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft ist und welche wichtigen Denkanstöße durch dieses mittlerweile fest in der politischen Landschaft implementierten Forums in Gang gesetzt werden. Die Ergebnisse und Gedankenanstöße der Diskussionen IX. Zukunftsforum Öffentliche Sicherheit werden im Anschluss an diese Veranstaltung im Workshop des Forschungsforums Öffentliche Sicherheit weiter wissenschaftlich vertieft werden

Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 28. April 2010 um 18:19:56 und abgelegt unter Allgemein. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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